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Schmutziger Granit

NGO-Studie untersucht die Arbeitsbedingungen in indischen Steinbrüchen und deckt erhebliche Missstände auf. Doch kaum ein deutscher Abnehmer von Naturstein fühlt sich verantwortlich.

Jetzt ziehen Nichtregierungsorganisationen eine Verbindung von problembehafteten Steinbrüchen gleich zu 33 Unternehmen im Norden, sowohl Zwischenhändlern, als auch finanzierenden Banken und Endabnehmern. 27 davon stammen aus Europa, namentlich aufgelistet in der Studie „Die dunkle Seite des Granits“, die an diesem Mittwoch veröffentlicht wird. Sechs Firmen kommen aus Deutschland. Es gebe noch weitere Unternehmen, die jedoch wegen der schwierigen Datenbeschaffung nicht ermittelbar gewesen seien, heißt es in der Studie der NGOs Stop Child Labour, India Committee of the Netherlands und Kerk in Actie.

In fünf Steinbrüchen wurde der ohnehin niedrige Mindestlohn nicht gezahlt, nirgendwo gab es eine aktive Gewerkschaft. Die Autoren sprechen von eindeutigen Fortschritten bei Kinderarbeit, wenn es um den Abbruch der Steine geht, nicht jedoch bei deren Weiterverarbeitung, die vorwiegend Frauen und Kinder erledigten. Untersucht wurden sechs Weiterverarbeitungsanlagen.

Und komplett: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/arbeitsbedingungen-schmutzigergranit-1.3636197

Hier eine Pressemitteilung zu der Studie: http://www.indianet.nl/pb170823e.html

Und hier die Studie: http://www.indianet.nl/pdf/TheDarkSitesOfGranite.pdf

PRESSEMITTEILUNG

Menschenrechte im Wahlkampf: Drei von fünf Parteien scheuen vor notwendiger Gesetzgebung zurück

16. August 2017, Münster/Berlin – Der Großteil der Parteien will von Unternehmen keine menschenrechtlichen Standards verbindlich einfordern, wenn es um die Rohstoffversorgung Deutschlands geht. Zu diesem Schluss kommen vier entwicklungspolitische Organisationen nach einer Wahlprüfstein-Befragung von Bündnis 90/Die Grünen, CDU/CSU, DIE LINKE, FDP und SPD. Sie fordern die Parteien auf, Menschenrechten und Umweltstandards konsequent Vorrang vor Wirtschaftsinteressen zu geben.

„Beim Rohstoffabbau werden seit vielen Jahren immer wieder massive Menschenrechtsverletzungen dokumentiert. Doch CDU/CSU, FDP und Teile der SPD nehmen das Thema bis heute nicht ausreichend ernst“, bedauert Michael Reckordt von PowerShift. Diese Parteien wollen wie bisher mit freiwilligen Maßnahmen die Menschenrechte in Lieferketten deutscher Unternehmen schützen. Die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD verweisen auf den Nationalen Aktionsplan ‚Wirtschaft und Menschenrechte‘, den die Bundesregierung Ende 2016 verabschiedete. Die vier Organisationen – Christliche Initiative Romero (CIR), INKOTA, Kampagne Bergwerk Peru und PowerShift –  halten diesen Aktionsplan aber für unzureichend, da er lediglich unverbindliche Erwartungen an Unternehmen formuliert. Sie fordern gesetzliche Regelungen zur menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht von importierenden Unternehmen.

Verantwortung auf Verbraucher*innen abwälzen
„Schlimmer noch, FDP und CDU/CSU wollen die Verantwortung gar an die Endverbraucher*innen abschieben. Konsument*innen stehen dafür weder die nötigen Informationen über die Wertschöpfungsketten, noch ausreichend Alternativen zur Verfügung“, sagt Christian Wimberger von der CIR. Löblich sei, dass Bündnis 90/Die Grünen und DIE LINKE diese verbindliche Gesetzgebung zu menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten für Unternehmen fordern. Die SPD hält sich dies offen, falls nicht ausreichend Unternehmen die freiwilligen Maßnahmen des Aktionsplans umsetzen.

Um dem Problem des wachsenden Rohstoffverbrauchs zu begegnen, schlagen CDU/CSU und FDP lediglich Maßnahmen zur Rohstoffeffizienz vor. Das bedeutet, Unternehmen sollen dazu angehalten werden, mit weniger Rohstoffen Wirtschaftswachstum zu erzielen. Hartmut Heidenreich von der Kampagne Bergwerk Peru kritisiert: „Wir brauchen eine absolute Senkung des Rohstoffverbrauchs und klare Zielvorgaben. Denn der enorme Rohstoffverbrauch einiger Industrieländer verursacht in den Abbauländern im globalen Süden gravierende Rechtsverletzungen und Umweltschäden.“ Bündnis 90/Die Grünen, DIE LINKE und die SPD teilen diese Ansicht, geben aber in ihren Antworten auf die Wahlprüfsteine keine konkreten Ziele zur Reduktion an.

 „Die Parteien sollten sich eingehend mit den Folgen des Rohstoffabbaus in den Abbauländern auseinandersetzen. Oft sind deutsche Unternehmen in Menschenrechtsverletzungen beim Rohstoffabbau involviert“, sagt Annemarie Kunz von INKOTA. So nahm zum Beispiel der Stahlhersteller ThyssenKrupp in Kauf, dass transnationale Bergbaukonzerne für seine Kokskohle-Lieferungen Gemeinden in Mosambik widerrechtlich umsiedelten. Im Jahre 2012 erschossen Einsatzkräfte der Polizei auf dem Gelände einer Platinmine des BASF-Zulieferers Lonmin im südafrikanischen Marikana 34 streikende Arbeiter*innen.

Die Antworten der Parteien stehen öffentlich auf den Webseiten der Christlichen Initiative Romero und PowerShift zur Verfügung und können von Wähler*innen als Orientierung im Wahlkampf herangezogen werden:
ci-romero.de/wahlpruefsteine
power-shift.de/wahlpruefsteine-zur-bundestagswahl-2017-parteipolitische-positionen-zu-rohstoffpolitik-rohstoffverbrauch-unternehmen-und-menschenrechte/

PRESSE-KONTAKTE:
Christian Wimberger
Christliche Initiative Romero (CIR)
Schillerstraße 44a | 48155 Münster
Tel: 0251 – 67 44 13 21
E-Mail: wimberger@ci-romero.de
 
Michael Reckordt
Koordinator AK Rohstoffe
c/o: PowerShift e.V.
Greifswalder Straße 4 | 10405 Berlin
Tel.: 030 428 05 479
E-Mail: michael.reckordt@power-shift.de
Twitter: @MichaelReckordt

Nachgefragt – die agl macht den Wahlcheck

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 hat die Arbeitsgemeinschaft der Eine Welt-Landesnetzwerke in Deutschland e.V. die fünf großen Parteien gebeten zu ausgewählten Fragen Stellung zu nehmen, die richtungsweisend aus Sicht der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit im Inland erscheinen.

Sechs Fragen an die Parteien:

1. Stärkung der entwicklungspolitischen Bildungs- und Inlandsarbeit der Zivilgesellschaft

2. Faire, öko-soziale Beschaffung verbindlich etablieren und überprüfen
3. Internationale Verträge nach Nachhaltigkeitskriterien überprüfen
4. Nachhaltigkeit im Grundgesetz verankern
5. Nachhaltigkeit im Gemeinnützigkeitsrecht verankern
6. Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2035

Lesen Sie die Antworten der Parteien hier.

2. Auflage des Textilguides für öko faires Shoppen in Mainz veröffentlicht

Die Faire Stadt Mainz hat Anfang des Jahres einen Textilführer „öko fair shoppen in Mainz“ herausgegeben, der Verbraucher*innen eine Orientierung beim Einkaufen bieten soll. Aufgrund der großen Resonanz waren die 10.000 gedruckten Exemplare der Broschüre „öko fair shoppen in Mainz“ schnell vergriffen. Die zweite aktualisierte Auflage liegt jetzt in den beteiligten Geschäften, den Ortsverwaltungen und den üblichen Stellen in Mainz aus. Die jeweils aktuellste Version ist online unter http://mainz.de/frei…/einkaufen-und-maerkte/fair-shoppen.php bzw. www.fairtrade-stadt-mainz.de zu finden.

 

Workshop-Tag des Weltladens Speyer: Der Wert der Arbeit

Wir arbeiten um zu leben. Diese Binsenweisheit ist ebenso wahr wie unvollständig. Genauso wichtig ist, dass Arbeit Sinn und Identität stiftet. Denn schließlich beeinflusst das, was wir tun und wie wir es tun nicht nur unser eigenes (Wohl-) Befinden, sondern hat Auswirkungen auf das gesamte gesellschaftliche Miteinander in der einen Welt. Wie müssen wir den Wert der Arbeit neu (über-) denken, um Wege in eine solidarische und gerechte Gesellschaft zu finden? Diesen Themen widmet sich der Weltladen Speyer an seinem Workshop-Tag im Rahmen der fairen Woche 2017. Die TeilnehmerInnen haben die Möglichkeit sich an diesem Tag mit einem der folgenden Themen intensiv auseinanderzusetzen:

Workshop I: Gemeinwohlökonomie und Gemeinwohlbilanz. Beispiele aus der Praxis
Die Gemeinwohlbilanz ist das Herzstück der Gemeinwohlökonomie. Der Erfolg eines Unternehmens wird nicht mehr nur nach dem finanziellen Erfolg bemessen sondern an seinem Beitrag zum Gemeinwohl. Die Gemeinwohlökonomie  überträgt die heute schon gültigen Beziehungs- und Verfassungswerte auf den Markt, indem sie die WirtschaftsakteurInnen dafür belohnt, dass sie sich human, wertschätzend, kooperativ, solidarisch, ökologisch und demokratisch verhalten und organisieren. Sie macht die Werte der Gesellschaft zu den Werten der Wirtschaft.

Workshop II: Bedingungsloses Grundeinkommen. Was sagen die Machbarkeitsstudien?
Bei der Frage nach einem Bedingungslosen Grundeinkommen geht es nicht nur um die wirtschaftliche Machbarkeit sondern auch um mögliche Konsequenzen für unser Verhalten und unseren Alltag. Erste BGE-Experimente geben Einblick in die wirtschaftlichen aber auch sozialpsychologischen Effekte eines Grundeinkommens.

Workshop III: Solidarische Landwirtschaft. Fair zu Mensch und Umwelt.
Die TeilnehmerInnen erhalten Hintergrundinformationen zu den tragenden Ideen der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi) und können sich im Rahmen einer Exkursion praxisnahen Einblick in deren Umsetzung verschaffen.

Workshop IV: Wie funktioniert der Welthandel? Planspiel „Geflügelexporte nach Ghana“.
In Form eines Rollenspiels werden Motivationen, Abhängigkeiten und Handlungsoptionen der am Handel beteiligten Akteure erfahrbar gemacht.

23.9.2017, 10:00 – ca. 17:30 im Friedrich-Spee-Haus, Edith-Stein-Platz 7, Speyer
Kostenbeitrag: 10€
Anmeldung über weltladen-speyer@gmx.de (unter Angabe des Workshops)

ELAN-RLP

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